Pforzen im 19., 20. und 21. Jahrhundert – besondere Ereignisse



Pforzen im 19., 20. und 21. Jahrhundert – besondere Ereignisse

1847

Eröffnung des Bahnhofs Pforzen und Beginn des Zugverkehrs Donauwörth – Augsburg – Kaufbeuren. Zum Dank dafür, dass Rieden von diesem "Unheil, das nur fremdes Gesindel in den Ort bringt", verschont wurde, ließ der Gutsbesitzer Johann Martin Rid ein Dank-Monument errichten, das weit sichtbar auf der höchsten Erhebung Riedens steht.

(Die Riedener Chronik geht von einem anderen Sachverhalt aus. Dort ist zu lesen, dass Rid, der als Gemeindepfleger und Mitglied des Landrates von Schwaben in Augsburg ein einflussreicher Mann war und es nach langen Streitigkeiten mit der Bahn durchsetzen konnte, dass durch die Führung der Bahnstrecke die Felder der Bauern nicht mehr als nötig zerschnitten wurden.)

Bild: Der Bahnhof von Pforzen in den 1930er Jahren
Der Bahnhof von Pforzen in den 1930er Jahren
Bild: Bundesbahn-Wohnhaus (Aufnahme aus dem Jahr 1986)
Bundesbahn-Wohnhaus (Aufnahme aus dem Jahr 1986)

1856

Ein Schreiben vom Landgericht Kaufbeuren befreit den Einödhofbesitzer Engelbert Fernsemer von Petersruh vom Dienst des Nachtwächters in Leinau. Er müsse zur Sicherung seiner Familie und seines Eigentums stets zu Hause Wache halten, außerdem wohne er eine halbe Stunde von Leinau entfernt. Fünf Jahre später wird ein Gesuch der Gemeinde Pforzen auf Befreiung von der Nachtwache als nicht gerechtfertigt zurück gewiesen.

1864

Die Feuerwehr schafft eine neue Löschmaschine an.

Bild: Die Feuerlöschmaschine aus dem Jahr 1864 vor dem Feuerwehrhaus.
Die Feuerlöschmaschine aus dem Jahr 1864 vor dem Feuerwehrhaus.
 

1866

Die Distriktgemeinde Pforzen stellt als Nachfolgerin der Hebamme Johanna Lachenmair deren Schwiegertochter Justina als Hebamme ein. Die Hebammen werden von der Gemeinde bezahlt, besonders in schwachen Geburtsjahren.

1875

Volkszählung durch das königlich statistische Bureau:

  • Pforzen:
    478 Einwohner, 116 Gebäude, 549 Rinder, 65 Pferde, 52 Schafe, 3 Ziegen, 19 Schweine
  • Leinau:
    120 Einwohner, 35 Gebäude, 233 Rinder, 19 Pferde

1880

In die Kranken-Armenkassen werden von allen Taglöhnern, Dienstboten und Handwerkern über 18 Jahren monatlich 40 Pfennig (unter 18 Jahren: 25 Pfennig) an Leistung eingehoben. Die Arbeitgeber waren verpflichtet und haftbar, für die Einhebung und Abführung der Beiträge zu sorgen.

1887

Das Bürgermeistergehalt wird auf 200 Mark jährlich festgelegt, wobei Gänge nach Kaufbeuren im Gehalt mitgerechnet sind.

1898

Der Ortsvorsteher von Leinau wird Mitglied des Reichstages.

1902

Schneidermeister Johann Uhl übernimmt in der Mühlgasse 49 die erste Poststelle in Pforzen. 1906 wurde sie umgewandelt in eine Postagentur.

1905

Bild: Eröffnung der Eisenbahnstation Leinau
Bild: Fundamente des Bahnhofshauses

Eröffnung der Eisenbahnstation Leinau (Bild links). Vom Bahnhofshaus sind heute nur noch die Fundamente übrig.

 

1906

Der Antrag von Josef Anwander auf Konzession und Erbauung einer Restauration an der Bahnhaltestelle Leinau wird abgelehnt, da es in Leinau bereits zwei Gaststätten für die 140 Einwohner gibt, was als ausreichend angesehen wird.

1911

Die Gemeinde führt eine "Lustbarkeitsabgabe" ein. Diese wird erhoben u.a. bei Tanzveranstaltungen, Bällen, Gartenfesten, Volksfesten. Sie beträgt je nach Veranstaltung zwischen 1 und 4 Mark und wird der Armenkasse zugeführt.

1912

Die Gemeinde gewährt bei der Gründung der Blechmusik Pforzen einen Zuschuss von 700 Mark.

1920

Die letzte Postkutsche wird von einem Postauto abgelöst. Der Posttransport erfolgte auf der Poststraße seit 1813, die von Füssen über Marktoberdorf und Kaufbeuren weiter nach Norden ging. Pforzen und Leinau werden nun direkt von Kaufbeuren mit Post beliefert.

1921

Irsee tritt an Pforzen und Rieden aufgrund der Wassernot aus nachbarlichem Solidaritätsgefühl auf 30 Jahre das nicht benötigte Wasser ab.

1923

Man nähert sich dem Höhepunkt der Inflation: 1 Liter Bier kostet 300 000 000 Mark (entspricht dem Wochenlohn des Gemeindedieners), die Reparatur der Irseer Wasserleitung kostet 1 900 000 000 000 (1.9 Billionen) Mark.

1926

Lehrer Müller bekommt von der Gemeinde 1 Mark pro Stunde für die Chorsängerausbildung.

1930

Zigeuner, Reisende und Gewerbetreibende dürfen ihre Wagen nur außerhalb des Orts auf dem Zimmerplatz bei der Wertachbrücke aufstellen.

1932

Aus der polizeilichen Vorschrift zur Nutzung des Moorbades bei der Bahnstation Pforzen: "Jugendlichen unter 16 Jahren ist der Besuch der Badeanstalt nur in Begleitung ihrer erwachsenen Angehörigen gestattet."

1933

Alle Gemeinderäte, die nicht Mitglied der NSDAP sind, müssen laut Ortsführer NSDAP F. Burck ihr Mandat niederlegen. Vier nehmen ihr Rücktrittsschreiben zurück und treten der Partei bei.

1934

Der Musikverein darf weiterhin den Schulsaal zu Musikproben nutzen, ab sofort besteht jedoch Rauchverbot.

1937

Pfarrer Lehner erhält Mitteilung vom Gemeinderat: Die Volksgemeinschaft vermisse ihn, da er die Versammlungen der NSDAP nicht besuche.

1945

Die 1. Batterie des 410. US-Infanterieregiments rückt mit Panzerkolonnen in Pforzen und Leinau ein.

1946

Die Einwohnerzahl von Pforzen steigt aufgrund großer Flüchtlingszahlen von 849 auf 1217 Einwohner (im September 1950 auf 1354 Einwohner).

1953

Berta Hawelka wird erstes weibliches Mitglied im Gemeinderat.

1960

Pforzen schließt mit dem Markt Irsee einen Wasserliefervertrag auf unbestimmte Zeit. Die Kündigung ist frühestens nach zehn Jahren möglich.

1963

Pforzen Bahnhof wird laut Regierungsbeschluss in Zellerberg umbenannt und nach Rieden eingegliedert.

1971

Zum 1. Juli wird die Zusammenlegung von Pforzen und Ingenried / Irpisdorf wirksam.

1976

Die Bildung einer Verwaltungsgemeinschaft mit Rieden und Irsee wird vollzogen.

1981

Bild: Wappen von Pforzen
Das Pforzener Gemeindewappen

Das Gemeindewappen wird nach Vorschlag des Heraldikers Herrn Ziller über kommunale Wappen neu bestimmt. Die Beschreibung des neuen Wappens, das im wesentlichen dem alten Gemeindewappen von 1950 entspricht, lautet: "Geteilt von Silber und Blau, oben ein roter Doppelspringer, dem am Fuß ein roter Pfeil untergelegt ist, unten ein schreitender goldener Hirsch."
Auf das 1971 eingemeindete Ingenried und seine Sebastianskapelle soll der rote Pfeil als Attribut des hl. Sebastian hinweisen.

 

1983

Am 24. September (Umstellung auf den Winterfahrplan) halten in Pforzen und Leinau die letzten Züge.

1993

Mit dem Markt Irsee wird die Einspeisung von Trinkwasser in das Versorgungsnetz der Gemeinde Pforzen vereinbart. Dazu wird in der Maxau ein Übergabeschacht gebaut, in dem auch eine UV-Anlage installiert wird.

1996

Anlässlich des 25. Jahrestages der Eingemeindung von Ingenried mit Pforzen im Rahmen der Bayerischen Gebietsreform wird seitens der Ingenrieder Vereinsrunde keine Feier gewünscht.

1997

Ende September wird anlässlich der 1100-Jahr-Feier Pforzens ein Foto von möglichst allen Pforzener Bürgern erstellt.

1998

Eine Kette mit ca. 200.000 "Produkten aus der eigenen Region" führt am 2. Mai auf dem Weg von Füssen nach Bremerhaven auch durch Pforzen.

1999

Am 9. April wird erstmals der sechsteilige Dokumentarfilm "Unser kleines Dorf – 1100 Jahre Pforzen" von Lothar Jürgens gezeigt (Gesamtlänge: 265 Minuten).

2000

Pforzen und die anderen sechs Umlandgemeinden von Kaufbeuren stellen sich erstmals auf der Ostallgäuer Herbstwoche vor.

2001

Die Gemeinde Pforzen hat seit Jahresanfang mit www.pforzen.de eine eigene Internet-Präsenz.

2002

Pforzen ist im September Gastgeber des Landesböllertreffens. Beim gemeinsamen Platzschießen wirken 2000 Schützen mit und es kommen 65 Kanonen und 29 Standböller zum Einsatz.