„Udo",  Danuvius Guggenmosi

In der Tongrube der Hammerschmiede bei Pforzen wurden sensationelle Funde gemacht. Teile von aufrecht gehenden Menschenaffen. Es ist dies die erste Fundstelle eines Menschenaffen nördlich der Alpen. Dabei handelte es sich um ein Männchen, zwei Weibchen und ein Jungtier. Als Sigulf Guggenmos im Jahr 1972 erstmals Grabungen in der Tongrube vornahm, dachte er nicht, dass hier einmal solch sensationelle, die Entwicklungsgeschichte des Menschen beeinflussende Entdeckung gemacht werden würde. Im Jahr 2011 begann Frau Prof. M. Böhme in der Fundstelle mit den Grabungen. Im Jahr 2016 wurden die Knochen von den Menschenaffen freigelegt.  Zu Ehren von Sigulf Guggenmos erhielten die gefundenen Menschenaffen-Art den offiziellen Namen „Danuvius guggenmosi“.  An dem Tag, als das erste Exemplar gefunden wurde, hatte der Rockstar Udo Lindenberg seinen 70. Geburtstag und deshalb erhielt es den Namen Udo.  Udo ist etwa 11,6 Millionen Jahre alt und deshalb war hier in Pforzen, lange bevor in Afrika die ersten Hominiden lebten, die ersten aufrecht gehenden Menschenaffen unterwegs.

Aber nicht nur Udo und seine Begleitung wurden gefunden. Die Fundstelle war wohl vor 11,6 Mio. Jahren ein Bachlauf in einer Savannenlandschaft mit Temperaturen, die im Mittel 20° höher lagen als heute. Die Qualität, die Menge und die Vielfalt ist wohl einzigartig und im weltweiten Vergleich herausragend.   Die Liste der Tiere, Amphibien, Fische und Vögel, die entdeckt wurden ist lang. Insgesamt wurden bis jetzt über 15000 Fossilien von über 115 verschiedenen Arten gefunden.

Darunter sind Elefanten, Nashörner, Panda-Bären, Hirschferkel, Säbelzahnkatzen, Hundebär, Waldpferde, Zwergbiber, Maulwürfe, Fledermäuse, Spitzmäuse, Welse, Kraniche und viele mehr. Bei den Amphibien ist der eindrucksvollste der Riesensalamander, des weiteren wurden auch Schwanzlurche gefunden.

Auch etliche Reptilien, vor allem Schildkröten, Schnappschildkröten, Weichschildkröten, Flussschildkröten und Sumpfschildkröten kamen ans Tageslicht.

Aber nicht nur Tiere sondern auch Pflanzen konnten nachgewiesen werden. 50 Pflanzenarten konnten belegt werden, darunter Farne, Nadelgehölze und Blütenpflanzen. Pflanzenreste sind in Form von Hölzern, Blättern und Pollen vorhanden.

Diese Fundstelle in der Tongrube Hammerschmiede kann als wichtigste paläontologische Entdeckung Deutschlands in den letzten Jahrzehnten angesehen werden, vermutlich sogar als die bedeutendste Fundstelle in West- und Mitteleuropa. Diese 11,62 Millionen Jahre alten Menschenaffen-Funde der Hammerschmiede stellen eine neue Art und eine neue Gattung dar. Sie werden entscheidend dazu beitragen die Evolution des Menschen und seiner Vorfahren besser verstehen zu können.

Es ist geplant, sie in den folgenden Jahren noch weiter auszubauen. Die Grabungsleitung hat dann wieder  Thomas Lechner. Um  die Grabung voranzutreiben, baute er ein Rotationsieb (RoSi) mit dem das Ausgrabungsmaterial schnell und sauber gewaschen werden kann.  Dazu können auch Bürger unserer Gemeinde, wie schon bisher,  bei Bürgergrabungen mithelfen. Interessenten für die Grabungen 2020 können sich bei der Gemeindeverwaltung Pforzen anmelden.

 

Dieser Link Danuvius guggenmosi (https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/newsfullview-pressemitteilungen/article/neuer-vorfahr-des-menschen-in-europa-entdeckt/ führt zur UNI Tübingen

Neuigkeiten von Udo

Medieninfo

 

Bei einem Gespräch im Wissenschaftsministerium, an dem unser Bürgermeister Herbert Hofer und Landrätin Maria Rita Zinnecker teilnahm, wurden konkrete Schritte zur weiteren Vorgehensweise besprochen.

„Unser Udo“ – Landkreis, Gemeinde und Freistaat unterstützen sich

 

Landrätin Maria Rita Zinneckers hartnäckiger Einsatz hat sich gelohnt: Udo hat zwölf Millionen Jahre gewartet, nun gab es knapp vier Monate nach seiner Entdeckung auf Einladung des Bayerischen Wissenschaftsministers Bernd Sibler eine Gesprächsrunde im Ministerium. Bei dem Termin zusammen mit Pforzens Bürgermeister Herbert Hofer und den Landtagsabgeordneten Angelika Schorer und Franz Pschierer wurden die Fragen der Region, wie es mit Udo weitergeht, erörtert. „Wir hatten ein sehr gutes Gespräch mit dem Minister und können auf die Unterstützung des Freistaates Bayern bauen“, sagt Zinnecker. Die Themen Besucher-Infozentrum, fachliche Unterstützung sowie Aus- und Aufbau der (touristischen) Infrastruktur und eine Machbarkeitsstudie waren im Fokus des Termins, die nun auch in einem ersten Runden Tisch, den das Ministerium koordiniert, weiterentwickelt werden sollen.

 

„Schulterschluss mit dem Freistaat“

 

Aus Sicht der Landrätin hat der Freistaat ebenfalls von Beginn an die Tragweite der Funde erkannt und wird nun sowohl finanziell, fachlich als auch koordinativ tatkräftig unterstützen. Neben dem Freistaat Bayern sind sowohl die Gemeinde Pforzen als auch der Landkreis Ostallgäu mit im Boot. „Der heutige Termin war ein gelungener Auftakt zur Strukturierung der weiteren Vorgehensweise für alle Beteiligten. Wir wissen nun, wie wir die verschiedenen Dinge angehen müssen und können koordiniert, Schritt für Schritt, im Schulterschluss mit dem Freistaat planen“, sagt Zinnecker. Die Landrätin bedankt sich auch bei den Ostallgäuer Abgeordneten, die sich für Udo im Landtag und den Gremien einsetzen. Bürgermeister Herbert Hofer freut sich, dass sich der Minister Zeit für die Anliegen seiner Gemeinde genommen hat. „Mit dem Freistaat als Partner, können wir als Gemeinde nun beruhigt die weiteren Herausforderungen, wie eine geplante Wanderausstellung, angehen“, bilanziert Hofer das Gespräch.

 

Der erste Runde Tisch wird Anfang März stattfinden. Dazu werden neben dem Wissenschaftsministerium auch die Staatskanzlei und weitere Ministerien zur Klärung von Fachfragen aus den Bereichen Wirtschaft, Umwelt und Bau eingebunden werden. Daneben sind auch noch privatrechtliche Angelegenheiten zu klären. „Es braucht Zeit, um alle Interessen zu bündeln und Projekte umzusetzen, aber dann haben wir auch Ergebnisse, die dem Fund und Ort angemessen sind und die Udo und die weiteren sensationellen Funde verdient haben“, ist sich die Landrätin sicher. Hilfreich sind dazu sicherlich auch die von den beiden Regierungsfraktionen in der Pressekonferenz vom 4. Februar in Aussicht gestellten 450.000 € und die Einbindung der Landesstelle für nichtstaatliche Museen in Bayern als fachliche Begleitung.


 

Den aktuellen Zeitungsartikel aus der Allgäuer Zeitung können sie hier abrufen. --> Udo ganz nah

Auch die Süddeutsche Zeitung hat einen interessanten Artikel geschrieben.
Über folgenden Link gelangen Sie direkt auf den Artikel der Südddeutschen Zeitung.

http://sz.de/1.4775468

 

 

„Udo“, Danuvius Guggenmosi
Prof. Madelaine Böhme
Thomas Lechner vor seinem RoSi (Rotationssieb)
(v.l) Wissenschaftsminister Bernd Sibler, Landtagsabgeordnete Angelika Schorer, Erster Bürgermeister Herbert Hofer, Landtagsabgeordneter Franz Pschierer, Landrätin Maria Rita Zinnecker
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